Werbemafia

Kommentar eines Betroffenen aus dem Heise.de-Forum für das Verbot von Adblockern (z.B. vom Anbieter Eyeo)

„… Nein, die Beschwerde ist an Eyeo und Konsorten zu richten. Sie sind diejenigen, welche die Schäden anrichten, was nach dem Verursacherprinzip bedeutet: sie haben eine Entschädigung zu leisten. Denn sie sind es, die eine Waffe gegen alle (!!!) anbieten, ohne Rücksicht einsetzen und pflegen.

Das ist so, als wenn eine ganze Stadt dem Erdboden gleich gemacht wird, weil sich in dieser ein paar Verbrecher aufhalten. Beschwer Dich bei der Mafia? Das entspricht nicht unserem Wertesystem…“

https://www.heise.de/forum/heise-online/News-Kommentare/Zeitungsverleger-Verband-will-Adblocker-verbieten/Denkt-doch-bitte-mal-weiter/thread-5196001/

Welcher Schaden entsteht?

Wer Webseiten im Internet bereitstellt entscheidet sich –
bewusst oder unbewusst – im einfachsten Fall dazu das Internet-Protokoll (IP) mit HTTP und HTML zu verwenden. Das ist so erstmal Standard und klar definiert. Kernelement dieser Konstellation ist, dass der Anbieter seine Inhalte grob gesagt in einzelne Seiten unterteilt. Nun gibt es Anbieter die auch externe Seiten einbinden möchten, wie z.B. die Anzeigen der Werbenetzwerke. Grundsätzlich kann man den Browser der Besucher dazu veranlassen, auch diese externen Seiten aus dem Werbenetzwerk mit einzublenden.

Mit der Ansicht einer Seite stimme ich jedoch nicht automatisch zu, auch alles andere anzuzeigen was der Autor gern angezeigt haben möchte. Als Besucher habe ich der Auslieferung von Werbung nie zugestimmt. Nichtmal indirekt wie z.B. per Cookie-Klausel. Als mündiger Internetsurfer entscheide ich selbst, was ich sehen will und was nicht.

Jeder im Netzwerk stimmt mit dessen Nutzung – schon allein durch die technischen Notwendigkeiten – zu, dass man zwar alles anbieten kann, aber jeder Empfänger entscheidet selbst was er davon auch nutzt. Im einfachsten Fall stimmt diese Entscheidung mit denen des Adblockers überein, in hartnäckigen Fällen unterbreche ich die Stromzufuhr zum Gerät. Jeder hat das Recht sich im Internet mitzuteilen, aber es gibt kein Recht darauf gehört zu werden. Technisch ist es Paketvermittlung, und ich kann die Annahme für beliebige Pakete verweigern.

Also welcher Schaden entsteht, wenn sich alle Beteiligten entsprechend des Protokolls verhalten? Keiner. Die Auslieferung von Werbung ist optional und nicht an das ursprüngliche Angebot gebunden. Es gibt für Anbieter also auch keinen Freifahrtschein willkürlich Werbung auf meinen Monitor zu projizieren.

Abschliessend der Mafiavergleich: Die Person hat irgendwann mal in irgendeinem Portal den Button „jetzt Besucher wahllos mit Werbung belästigen und dafür Kohle kassieren“ (o.Ä.) angeklickt . Heisst da kommt jetzt die Werbemafia und fängt in seinem Namen an auf seinem Grundstück rumzuballern, ohne dass Passanten dem zugestimmt haben, ohne vorab darüber aufgeklärt worden zu sein – und er verdient an an jeder Kugel die trifft mit. Und jetzt beschwert er sich darüber, dass Eyeo kostenlos Kevlarwesten verteilt?

„Keine Frage: Werbeblocker fügen den Verlagen, auch Golem.de, wirtschaftlichen Schaden zu.“

https://www.golem.de/news/gesetzliches-verbot-die-schlechte-adblocker-satire-der-verleger-1703-126607.html

Dahinter steckt ja wohl DIE FRAGE Nummer 1: Kann ein potentielles Geschäft, dass man garnicht erst abgeschlossen hat, dass man mit niemandem eingegangen ist, durch den theoretischen Verlust einen tatsächlichen Schaden verursachen? Schaden wird durch AdBlocker abgewendet, nicht verursacht. Der Besucher einer Website wurde weder darüber informiert, noch hat er durch blossen Besuch (durch den er überhaupt erst in die Lage versetzt wurde ein Werbeangebot zu detektieren) der Auslieferung von Werbung auf seinen Computer zugestimmt. Welcher Schaden entsteht, wenn sie Werbeunternehmen, potentielle Kunden und die Hersteller der AdBlocker an gegebene technische Protokolle halten? Das ist ja nichtmal geheim. Oder unbekannt. Die Spezifikation HTTP wurde in den 90ern erfunden und kann seitdem weltweit kostenfrei eingesehen werden. Wie das funktioniert ist also allen klar, die diese Fakten nicht bewusst ignorieren.

Davor, dass ihre Angebote durch Paywall obselet werden, haben die Verlage noch mehr Angst, als vor den Leuten die AdBlock benutzen um die Inhalte ohne Werbemüll zu lesen.

Ist doch bei Papierzeitungen üblich: schon die CHIP habe ich vor 10 Jahren immer als erstes über dem Papierkorb ausgeschüttelt. Wenn das jetzt der Computer für mich macht, umso besser. Wenn ich dabei nicht weltweit geortet und identifiziert werde – noch besser. Wenn ich die Transportkosten im Mobilfunknetz dann nicht mehr über mein begrenztes Datenvolumen auf dem Handy mittragen – ist das ein Deal.


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