Ein guter Scharfrichter…

„Er rief sich die Worte seines Mentors, Großmutter Yu, in Erinnerung: Ein guter Scharfrichter sieht vor sich auf der Richtbank keine Lebewesen, sondern nur eine beliebige Masse aus Muskeln, Knochen und inneren Organen. […] Nach über 40 Jahren Erfahrung in seinem Metier hatte Zhao Jia längst diesen hohen Grad an Professionalität erreicht. […] In seiner jahrzehntelangen Praxis hatte er schon gut tausend Exekutionen durchgeführt.“

Worum gehts?

„Der Scharfrichter (der mit der Schärfe des Beils oder Schwertes Richtende), ein besonderer Beruf, vollstreckt seit dem Mittelalter die Todesstrafe;“

Schlachter machen das gleiche. Und Fleischesser bezahlen dafür.

„Er gab sich alle Mühe, dem Tod unerschrocken ins Auge zu blicken und stolz und gelassen zu wirken, doch seine blassen Lippen zitterten. Die unübersehbare Furcht seines Opfers stellte für den Henker seine Berufsehre wieder her. Im Bruchteil einer Sekunde wurde sein Herz zu Stein.“

Einblicke in die Gedanken eines Schlachters im Anblick seines vor Angst zitternden Opfers. Die gleichen Szenen sieht man immer wieder in Aufklärungsvideos aus Schlachthäusern.

„Er [der Henker] war die entsetzlichen, herzerweichenden Schreie der mit dieser Hinrichtugnsmethode Gefolterten gewohnt und verstand sich darauf, trotz dieser Laute mit grosser Kaltblütigkeit sein Werk zu verrichten“

Eier. Eier werden von weiblichen Hühnern gemacht. Männliche Hühner erfüllen diesem Zweck nicht. Hähne werden nicht gegessen. Darum werden die Küken direkt nach ihrer Geburt vergast. In Gaskammern. Oder sie werden zerschreddert. In industriellen Mixern. Jeden Tag. Jedes bezahlte Ei unterstützt Menschen die sich diese hilflosen, verlorenen Schreie anhören und sie qualvoll verstummen lassen.

„Zur besseren Praxis der hohen Kunst der Zerstückelung unterhielten die Henker der Hinrichtungsabteilung gute Beziehungen zu einer grossen Metzgerei in der Nähe des Chongwen-Tores. Wenn die Hinrichtungen gerade nicht Saison hatten, brachte sie ihr Meister als freiwillige Helfer dorthin. Dort verarbeiteten sie wer weiss wie viele fette Schweine zu Hackfleisch. Unter dem Siegel von Grossmutter Yu eröffneten sie schliesslich sogar eine Metzgerei in der kleinen Guaigun-Gasse von Xisi. Im Laden wurde Fleisch verkauft und im Hof wurde geschlachtet. Das Geschäft lief blendend. Doch irgendwann hatte wohl jemand etwas über ihre Herkunft fallen lassen und das Geschäft brach ein. Niemand getraute sich mehr, bei ihnen Fleisch zu kaufen und wer durch die Gasse kam, schlich sich möglichst unauffällig an ihrem Laden vorbei, wohl aus Furcht, eingefangen und geschlachtet zu werden.“

Woher nimmt man die Gelassenheit, bei einem Schlachter zu kaufen, und zu denken, der würde das nicht für den entsprechenden Preis mit einem selbst machen? Weil auf irgendeinem Papier steht, dass er das nicht darf? Ich denke, Gewalt funktioniert hier auch in die andere Richtung. Vom Schwein zum Menschen. Menschen machen gar nicht so viele Unterschiede, wie man immer denkt, wenn es darum geht, andere wie Vieh zu behandeln. Unabhängig von der Spezies.

Wo ist der Unterschied?

Schweine, Kühe, tagalte Küken haben niemandem etwas getan, keinen Schaden angerichtet. Sie wurden nie angeklagt, nie verurteilt. Sie werden ausschliesslich auf Grund ihrer Genetik hingerichtet und lebendig zerstückelt.

Aus dem Buch „Die Sandelholzstrafe“, Kapitel 9, Das Meisterwerk

https://de.wikipedia.org/wiki/Scharfrichter

https://de.wikipedia.org/wiki/Lingchi


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