Selbstverwirklichung und Ideologie

„Mir persönlich ist es völlig wurscht, was ein erwachsener Mensch zu sich nimmt und aus welchen Gründen er es tut. Wenn aber die Gesundheit eines Kindes in Gefahr ist, sollte Schluss sein mit Selbstverwirklichung und Ideologie.“

Das ist doch ein Kernaspekt des Veganismus – sich der jahrhunderte andauernden Indoktrinierung des Fleischkonsums zu entledigen. Fleischkonsum wird glorifiziert – kaum, dass die Sonne mal eine Stunde am Stück scheint, heisst es sofort „Grillzeit – Steak, Würstchen, Schaschlick“, jedes zweite Werbeplakat wird gefüllt mit totem Tier, genau wie die Tiefkühltruhen. Gemüse wird ja höchstens als Beilage toleriert. Es machen Reihenweise argentinische und brasilianische Restaurants auf, Hauptgericht: Fleisch, Fleisch und noch mehr Fleisch, vom Spiess, direkt an den Tisch gebracht, alle 5 Minuten Nachschub. „Echte Männer essen FLEISCH“, „hier eine Wurst, damit du gross und stark wirst“, das geringste Mitgefühl für die Opfer dieser Ausbeutung wird für Konsumwilligkeit direkt aus dem Kinderhirn wegrationalisiert.

Das primäre Argument, das mir begegnet, ist immer: „Ja aber auf mein Schnitzel/Salami/Spiegelei/Jogurt kann ich nicht verzichten!“. Doch, rein technisch geht das, es fehlt bloss der Wille. Wenn man sich jahrelang, meist durch andere Menschen angefixt, in dieser Abhängigkeit befunden hat, fällt es natürlich schwer seine Gewohnheiten abzulegen und alles, was dem eigenen Gehirn vorgaukelt, jetzt gerade was ganz ganz tolles zu erleben, abzustellen.

„Wieso gehen Eltern davon aus, dass ihr Kind dieselben Vorlieben hat wie sie selbst und daher dasselbe essen muss?“

Eltern. Eine Verallgemeinerung. Diese Art von Eltern kenne ich nur aus den Medien. Warum ich davon ausgehe, dass mein Kind die selben „Vorlieben“ hat? Na weil ich ihm beibringe, dass Gewalt nicht OK ist. Und dass es gut ist, den Schwächeren zu helfen statt ihnen ein Messer in den Hals zu rammen. Komische Vorlieben, die andere Kinder so haben…

„Solange ich nicht weiß, was eine bestimmte Substanz im Körper meines Kindes anrichtet, sollte ich sie weglassen.“

Andersrum genau so, wenn ich weiss was bestimmte Substanzen mit dem Körper meines Kindes machen: Antibiotika sind (ohne Notwendigkeit) schlecht für die Gesundheit meins Kindes, also warum sollte ich ihm antibiotikaverseuchtes zu essen geben?

„Der Aufwand, das ständige Reden übers Essen, die soziale Aufwertung durch Abgrenzung sorgen für maximale Aufmerksamkeit im Umfeld.“

Millionen Babys für Omelette und Salatdressing zu vergasen tut das jedenfalls nicht…

„sondern entspannt und auch mit einer gewissen inneren Flexibilität (z.B. wenn die Schwiegermutter an Weihnachten halt Braten gemacht hat oder das Kind halt auf dem Schulfest gern mal eine Bratwurst will), das dürfte für alle Beteiligten am besten sein.“

Sieht das Schwein glaube ich anders.

„Ich gehöre zu einer Generation, der man bei Verschwendung vorhielt: „Du wirfst dein Schulbrot weg, und in Afrika hungern die Kinder.“ Ich denke deshalb manchmal an meine Freunde in ärmeren Gegenden dieser Welt, die froh sind, wenn sie überhaupt etwas Vernünftiges auf den Tisch bekommen – während sich vegane Mütter in Deutschland darüber beschweren, dass Vitamin-B12-Tabletten perfiderweise von der Industrie mit einem Laktosefilm überzogen würden.“

Wirtschaftlichkeit, Verschwendung von Ackerflächen und Trinkwasser? Energieerhaltungssatz? Es gibt genug Veganer, die das aus Ökologischen Gründen machen.

„Aber was ist zu tun, wenn Eltern manisch an gefährlichen Essgewohnheiten festhalten, auf Kosten der eigenen Kinder? Wie kann man sie davon abhalten? “

Sie sprechen von Eltern, die vergiftetes Fleisch zu essen geben?

„Brauchen wir mehr Monitoring während der Schwangerschaft, ein besonderes Augenmerk der Frauenärzte auf Ernährung? Müssen Familienhebammen zusätzlich geschult werden in Sachen Ökotrophologie?“

JA! Sehr gerne.

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/vegane-kleinkind-ernaehrung-nein-danke-a-1120634.html


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